Einweihung Block-Heizkraftwerk

Energiekompetenz und Leistungsfähigkeit

Gute Werke: Stadtwerke stellen ihre neue wirtschaftliche BHKW-Anlage im Schulzentrum Werreanger vor

Lage (wi). Nach rund zwei Jahren Umbau-und Modernisierungszeit läuft die neue Energiezentrale im Schulzentrum Werreanger jetzt beinahe täglich auf vollen Touren. In jährlich 5.000 bis 6.000 Betriebsstunden erzeugen die drei Module des neuen Block-Heizkraftwerks (BHKW) knapp eine Million kWh Strom sowie rund 1,5 Millionen kWh Wärme. Durch die Eigennutzung von Strom und Wärme in der Realschule, im Gymnasium, in den Sporthallen und im . Hallenbad erzielt die Stadt Lage eine Ersparnis von gut 50.000 Euro im Jahr, verglichen mit dem Zustand vor der umfassenden Modernisierung. Die neue Energiezentrale, die den Stadtwerken gehört, hat rund 400.000 Euro gekostet.

Bild BHKW
Im ersten Bauabschnitt wurden zunächst die alten und defekten BHKW-Module ausgebaut und durchzwei Module mit insgesamt 30 kW elektrischer und 60 kW thermischer Leistung ersetzt. Die alten Module waren vom Energieversorgungsunternehmen Elektrizitätswerk Wesertal 1993 installiert worden. Wesertal hatte im Januar 1978 die Betriebsführung für die Stadtwerke Lage übernommen.

Im Sommer 2014 wurden die alten, ebenfalls schadhaften Erd­ gaskessel gegen eine moderne Brennwert-Doppelkessel-Anlage mit einer Heizleistung von insgesamt 1.200 kW und ein weiteres BHKW-Modul mit einer Leistung von 140 kW elektrischer und über 200 kW thermischer Energie ausgetauscht. Beide Arbeiten – die Erneuerung aller BHKW-Module und die Neu-Installation der Erdgasheizung – erledigte das heimische Installationsunternehmen Gutowski im Auftrag der Stadtwerke.

Planerische Unterstützung leistete die Energieservice Westfalen Weser GmbH, eine Tochtergesellschaft der Westfalen Weser Energie GmbH. Diese wiederum war 2013 entstanden durch den Verkauf der E.ON Westfalen Weser AG an einige Landkreise und zahlreiche Kommunen, darunter auch Lage.

Nach der kompletten Fertigstellung der Energiezentrale im „Keller“ des Hallenbads hat die Stadt Lage das Blockheizkraftwerk gepachtet. Durch die Eigennutzung des erzeugten Stroms hat sich die Wirtschaftlichkeit der Anlage wesentlich verbessert, weil die Stadt für den im Schulzentrum verbrauchten Strom keine bzw. eine verringerte EEG-Umlage zahlen muss.

Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Arthur Diele betragen für die Stadt Lage die errechneten jährlichen Kosteneinsparungen rund
50.000 Euro.

Leistungsfähigkeit demonstriert
„Von der rund einen Million kWh Strom, die -das BHKW erzeugt, kann die Stadt zwei Drittel oder deutlich über 600.000 kWh selbst nutzen. Das übrige Drittel wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist und vergütet“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Diele die wirtschaftlichen Erträge. „Oder umgekehrt ausgedrückt: Knapp 80 Prozent des im Schulzentrum Werreanger benötigten Stroms erzeugt die Stadt jetzt selbst!“

Ähnlich gut ist die Ausbeute im Wärmesektor: Rund 63 Prozent der im Schulzentrum Werreanger verbrauchten Wärme produziert die Stadt Lage selbst! Die C02-Einsparung beträgt insgesamt über 330 Tonnen im Jahr bezogen auf den aktuellen, durchschnittlichen Kraftwerk-Mix (bestehend aus Atomkraft, Braunkohle, Erdgas, Solarstrom, Windenergie usw.) Mit diesem bisher größten Projekt in diesem Bereich haben die Stadtwerke Lage ihre Leistungsfähigkeit bei Projektierung und Betrieb einer solchen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage dokumentiert. Interessierte Kunden können maßgeschneiderte und wirtschaftliche Anlagen mit umweltfreundlichen, rationellen und effizienten Energieanwendungen erhalten.

Einstimmige Beschlüsse
Dies zeigte sich unter anderem auch an einem bundesweiten Feldtest von „Mini-BHKW“, an dem die Stadtwerke sich beteiligten. Dabei wurde ein entsprechend kleines Aggregat in das wärmetechnisch komplett sanierte Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Lage an der Pivitsheider Straße installiert (der Postillon berichtete). Zum Konzept der Stadtwerke gehören u. a. auch kontinuierliche Energieberatung für Kunden und kostengünstige Thermografien an Wohngebäuden.

Bürgermeister Christian Liebrecht bewertete die 400.000-Euro-lnvestition der Stadtwerke als ökonomisch und ökologisch vorteilhaft. Die Stadt spare Geld bei der Versorgung der Schulen und Sportanlagen mit Strom und Wärme und tue gleichzeitig etwas für die Umwelt bezogen auf den durchschnittlichen Kraftwerk-Mix. Das hätten auch alle Ratsfraktionen und die Mitglieder im Stadtwerke-Aufsichtsrat so gesehen: Alle Beschlüssen seien einstimmig gefasst worden, so der Bürgermeister.

© Postillon, 10.09.2015