Wirkliche Orientierungshilfe für junge Leute

Wirkliche Orientierungshilfe für junge Leute

Wirkliche Orientierungshilfe für junge Leute Jubiläum einer Erfolgsgeschichte: 10. Tag der offenen Betriebe – Firmen und Organisationen informierten umfassend
Lage (wi). Seit dem Jahr 2007 wird alljährlich der „Tag der offenen Betriebe“ veranstaltet. Er hat sich damit zu einer Berufsorientierungsmaßnahme entwickelt, die anerkannt wird von den Schulen, den Firmen und den weiteren am Tag beteiligten Einrichtungen. Am Samstag, 9. April 2016, wurde der zehnte „Tag der offenen Betriebe“ ausgerichtet. Etwa 450 Schülerinnen und Schüler der Lagenser weiterführenden Schulen nutzten ihn, um das Informationsangebot der Unternehmen, Institutionen und Weiterbildungsträger wahrzunehmen. Aber auch Eltern sowie interessierte Bürger und Bürgerinnen ergriffen die Gelegenheit, sich einige Betriebe anzuschauen.
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Zusätzlich zu den Schülern und ihren Eltern besuchten am Samstag einige Asylbewerber Lagenser Unternehmen. Frank Rayczik, der seit einigen Tagen als Fachbereichsleiter in Diensten der Stadt Lage u.a. zuständig ist für die Bereiche Demographie und Flüchtlingskoordination: „Diese Besuche bieten sich an, da die Firmen ohnehin auf die Präsentation ihrer Leistungen und der jeweiligen Berufsfelder vorbereitet sind. Die Stadt Lage bemüht sich um Integration der in Lage Schutz suchenden Menschen. Nach der Sicherstellung einer guten Unterkunft sind Sprache und Arbeit die ersten Schritte auf dem langen Weg einer gelingenden Integration“.
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Beigeordneter Thorsten Paulussen, der zusammen mit Kämmerer Frank Limpke, Fachbereichsleiter Frank Rayczik und Wirtschaftsförderer Jörg Moje verschiedene Betriebe besuchte, dankte während der Eröffnung des Tages der offenen Betriebe in der Aula des Schulzentrums dem Arbeitskreis „Wirtschaft und Schule“ als Hauptinitiator der Veranstaltung für die perfekte Vorbereitung und Koordination: „Darüber hinaus gilt mein Dank allen teilnehmenden Betrieben und Einrichtungen, die durch ihre Unterstützung in verschiedener Weise maßgeblich zum Gelingen dieser Berufsorientierungsveranstaltung beitragen“.

Zwei Betriebe geehrt
Weil es der zehnte Tag der offenen Betriebe war, würdigte Beigeordneter Paulussen besonders das Engagement der beiden Firmen Kuhlmann (vertreten durch geschäftsführende Gesellschafterin Annette Küstermann) und Spezialzucker-Raffinerie Lage (vertreten durch Geschäftsführerin Gerda Kunert und ihren Vorgänger Dieter Grittern). Beide Unternehmen, so der Beigeordnete, hätten sich nicht nur während der vergangenen zehn Jahre an jedem Tag der offenen Betriebe beteiligt, sondern sie hätten auch engagiert zur Entwicklung und Verstetigung dieses Tages beigetragen. Beides – Hilfe bei der Berufswahl und Plattform zur Unternehmensdarstellung – habe den Geehrten immer sehr am Herzen gelegen.
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Letztmals offen für alle?
Städtischer Wirtschaftsförderer Jörg Moje, der auch Sprecher des Arbeitskreises Wirtschaft und Schule ist, stellte am Rande der Eröffnung fest, dass es fraglich sei, ob es im nächsten Jahr zu einem elften Tag der offenen Betriebe kommen werde. Es sei möglich, dass die Lagenser Veranstaltung in Konkurrenz gerate zum Vorhaben der NRW-Landesregierung „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Dieses Konzept habe landesweit zum Ziel, den Übergang von der Schule in den Beruf zu verbessern. Es sei fraglich, ob die Schulen (und auch die örtlichen Betriebe) in der Lage seien, sowohl den Vorschriften von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ Genüge zu tun als auch einen Tag der offenen Betriebe durchzuführen.

Manche sehen im Vorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ein Instrument präventiver Sozialpolitik, manche glauben, es handele sich dabei um die typische rot-grüne Bevormundung der Wirtschaft und der Gemeinschaft der mündigen Bürger. Die Landesregierung selbst schreibt über „Kein Abschluss ohne Anschluss“: „Berufsorientierung an den allgemeinbildenden Schulen stärken: Spätestens ab Klasse 8 erhalten alle Schülerinnen und Schüler eine verbindliche, systematische und geschlechtersensible Berufs- und Studienorientierung mit regelmäßigen Praxisphasen. Ergänzend zum Unterricht werden Berufsfelderkundungen und Praktika ermöglicht, um betriebliche Wirklichkeit zu erfahren und verschiedene Berufsfelder kennenzulernen. Im neuen Übergangssystem sind Gymnasien genauso einbezogen wie Haupt- und Förderschulen. Geeignete Beratungsverfahren und -instrumente stehen bereit, um die Übergangsprozesse optimal zu begleiten.“
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2.000 Ausbildungskontakte
Mehr als 20 Firmen öffneten sich am Samstag an ihren Unternehmenssitzen für Schüler, Eltern und weitere Interessierte. Zusätzliche Unternehmen präsentierten Berufsbilder auf dem Außengelände des Schulzentrums am Werreanger. Ferner war das Foyer des Schulzentrums geöffnet. Hier stellten sich etwa 15 Aussteller vor aus unterschiedlichen Bereichen: vom Handwerksbetrieb über Dienstleis-tungsunternehmen wie Apotheke, Anwaltskanzlei, Architekten und Ingenieure bis hin zu Bildungseinrichtungen und Berufsberatern z.B. der Bundeswehr.

Am vergangenen Samstag kam es zu rund 2.000 potenziellen Ausbildungskontakten mit hiesigen Unternehmen, was in der Summe interessante und informative Einblicke in unterschiedlichste Berufsfelder ermöglichte. Jörg Moje: „Alle Betriebe hatten sich darauf vorbereitet, den Jugendlichen, die sie besuchten, Rede und Antwort zu stehen zu Fragen rund um die angebotenen Berufe. Etliche Unternehmen banden hierfür auch dieses Jahr wieder Auszubildende mit ein und boten Gelegenheit, das eine oder andere selbst auszuprobieren“.

Zum Beispiel Wesle
Zum Beispiel stellte Jannes Husemann, seit September 2015 Auszubildender zum Automobilverkäufer / Nutzfahrzeug, seine Ausbildung in seinem Ausbildungsbetrieb „Wesle Kfz.-Betrieb“ im Gewerbegebiet Sülterheide vor. Jannes Husemann und dessen Kollegen gaben den jungen Leuten, die den LKW-Spezialisten sowie Volvo-Trucks- und Renault-Trucks-Partnerbetrieb besuchten, ebenfalls einen Einblick in die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker (Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik). Beide Berufsausbildungen bietet das Unternehmen Wesle Kfz.-Betrieb seit der Eröffnung in der Sülterheide im Mai 2014 in seiner dortigen Niederlassung an.

Für die meisten Wesle-Besucher am vergangenen Samstag war es der erste Kontakt mit dem LKW-Spezialisten, der rund drei Millionen Euro in seinen neuen Standort investiert hat. Auf dem 9.700 Quadratmeter großen Gelände sind eine Nutzfahrzeugwerkstatt mit vier Durchfahrten, ein Ersatzteillager sowie ein Bürogebäude mit Kundendienstannahme und Sozialräumen entstanden. Hier werden Transporter, Lastkraftwagen und Omnibusse gewartet und repariert. Zusätzlich gibt es einen Verkauf für Volvo Trucks, Renault Transporter ab 3,5 Tonnen und Renault Trucks.

Andreas Bohle, geschäftsführender Gesellschafter von Wesle Kfz.-Betrieb, sagte, dass er die Gelegenheit gerne wahrgenommen habe, die bei Wesle möglichen Ausbildungen darzustellen, nachdem die Stadtverwaltung auf die Möglichkeit hingewiesen hatte. Es sei nicht einfach, geeignete Auszubildende zu finden. Es wäre sicherlich ein schöner Erfolg, wenn einer der Besucher, die sich bei Wesle informiert hatten, hier nach der Schule eine Lehre beginnen würde: „Die Auszubildenden von heute sind die qualifizierten Experten von morgen.“

„Gut vorbereitete Fragen“
Die praktischen Übungen in einigen Firmen wie auch die von manchen Unternehmen vorbereiteten Präsentationen fanden überwiegend die vollste Zustimmung der Besucher. Nach Beobachtungen und nach Rückmeldungen aus den teilnehmenden Betrieben wurde der Berufsinformationstag von den meisten Unternehmen durchweg positiv bewertet. Manche Betriebe sagten, sie seien „angenehm überrascht“ gewesen vom Interesse der jungen Leute, die „gut vorbereitete Fragen“ gestellt hätten. Gefragt wurde nicht nur nach den Produkten beziehungsweise Dienstleistungen der Unternehmen und nach typischen Tätigkeiten, sondern auch nach speziellen Anforderungen beziehungsweise Voraussetzungen.
Gefragt wurde ebenfalls nach der Bedeutsamkeit bestimmter Schulfächer, nach Praktikumsgelegenheiten, nach Verdienst- und Karrieremöglichkeiten sowie ganz konkret nach dem Datum, bis zu welchem eine Bewerbung eingegangen sein muss.

c by Postillon, 14.04.2016